Luftaufnahme eines großen Landwirtschaftlichen Hofes.

Das GHV-Notfallhandbuch: Technische Notfälle – wenn plötzlich nichts mehr läuft

Was passiert, wenn plötzlich die Stromversorgung ausfällt und dadurch die Fütterung nicht mehr funktioniert, die Melktechnik streikt oder eine wichtige Maschine ausgerechnet dann den Dienst versagt, wenn sie dringend benötigt wird?

Technische Störungen lassen sich nicht planen, aber man kann sich darauf vorbereiten.

Effizienz und Abhängigkeit

Moderne Technik ist ein Schlüsselbereich, um landwirtschaftliche Betriebe effizient sein zu lassen. Gleichzeitig bestehen dadurch Abhängigkeiten. Je stärker Abläufe auf einem Betrieb automatisiert sind, desto wichtiger wird es, über einen Plan für den Ausfall nachzudenken. Sonst kann der Ernstfall teuer und problematisch werden.

Es geht nicht darum, eine perfekte Lösung in der Schublade zu haben, sondern vielmehr, nicht bei null anfangen zu müssen. So kann im Ernstfall schnell reagiert werden.

Wenn eine Störung zum Notfall wird

Auf einem Betrieb ist ein technischer Defekt nichts Unbekanntes und meistens auch relativ unspektakulär. Eine Sicherung löst aus, eine Pumpe funktioniert nicht mehr oder eine Maschine zeigt eine Fehlermeldung. Was erstmal unscheinbar und bekannt aussieht, kann jedoch da, wo Tiere betroffen oder wichtige Betriebsabläufe voneinander abhängig sind, zu einer ernsthaften betrieblichen Herausforderung werden.

Fällt zum Beispiel der Strom aus, so betrifft das nicht nur die Beleuchtung. Lüftungen, Melktechnik, Fütterungen, Kühlung und selbst die Wasserversorgung können betroffen sein.

In solchen Situationen möchte man möglichst wenig Zeit damit verbringen, erst Telefonnummern oder Bedienungsanleitungen zu suchen. Daher gilt: Für einen technischen Notfall braucht es einen klaren Plan.

Was tun, wenn die wichtigste Technik ausfällt?

Nicht jedes Risiko auf dem Hof muss beschrieben werden. Geklärt werden sollte aber die Frage: Welche technischen Ausfälle können meinen Betrieb tatsächlich gefährden? Hier hat jeder Betrieb andere Schwerpunkte.

Es empfiehlt sich zu überlegen, welche drei technischen Ausfälle auf Ihrem Betrieb innerhalb von 24 Stunden die größten Probleme verursachen würden. Anschließend sollten diese herausgearbeiteten Schwerpunkte durch eine Begehung und Beschreibung nachvollzogen werden.

Was muss im Ernstfall schnell verfügbar sein?

Dabei ist es nicht wichtig, dass alles bis ins kleinste Detail geplant ist, sondern es geht vor allem darum, dass wichtige Informationen schnell vorhanden und nutzbar sind:

Wer ist der erste Ansprechpartner bei einem großen Stromausfall? Wer kennt die Hofanlage? Wer betreut die Melktechnik? Wo ist der Hauptschalter? Gibt es einen Generator und wer weiß, wie er angeschlossen und betrieben wird?

Fragen, die im Alltag selten gestellt werden und oft nur bei einer Person „im Kopf“ sind. Um im Krisenfall schnell handeln zu können, lohnt es sich, die wichtigsten Kontaktdaten nicht nur im Mobiltelefon einer Person zu speichern. Denn wenn diese Person nicht erreichbar ist, helfen die Informationen dort niemandem weiter. Hinterlegen Sie die Informationen so, dass sie intern zugänglich sind.

Dazu gehören zum Beispiel die Kontaktdaten von Elektrikern, Werkstätten, Maschinenhändlern oder Servicetechnikern. Außerdem können Informationen darüber hilfreich sein, welche Maschinen und Anlagen besonders wichtig sind, wo sich die entsprechenden Bedienungsanleitungen und Ersatzteile befinden und welche Ersatz- bzw. Notlösungen auf dem Betrieb vorhanden sind.

Bei einem großflächigen Stromausfall sollte im besten Fall ein Notstromaggregat vorhanden sein. Doch hier darf nicht erst im Ernstfall festgestellt werden, ob das Aggregat tatsächlich einsatzbereit ist. Fragen, die in der Theorie selbstverständlich sind, werden im Alltag schnell vergessen, also wo steht das Aggregat, ist ausreichend Treibstoff vorhanden und wer darf es bedienen.

Das GHV-Notfallhandbuch – Welche Informationen gehören rein?

In unserem GHV-Notfallhandbuch können Sie nicht nur allgemeine Notfallinformationen hinterlegen, sondern konkret aufschreiben, welche technischen Anlagen auf Ihrem Betrieb besonders wichtig sind, wer bei Ausfall kontaktiert werden muss und was der erste Schritt zur Lösung ist.

Neben den anderen Beispielen aus unserer GHV-Notfallhandbuchreihe ist auch der technische Notfall ein gutes Beispiel dafür, warum wichtige Informationen zentral gesammelt werden sollten.

So haben Sie eine individuelle Notfallübersicht für Ihren Betrieb, und zwar so, dass auch jemand, der nicht täglich für die Technik verantwortlich ist, sich im Ernstfall orientieren kann.

Ausblick auf den nächsten Teil unserer Notfall-Serie:

Natürlich ist die Technik nur ein Teil der betrieblichen Sicherheit. In der nächsten Ausgabe schauen wir auf die finanzielle Situation des Betriebes. Denn wer im Ernstfall handlungsfähig sein will, muss auch wissen, welche finanziellen Verpflichtungen bestehen.

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Foto: Karlshof/ FABRYKANT

💡 Technischer Notfall: In 15 Minuten besser vorbereitet

Was passiert, wenn heute plötzlich der Strom ausfällt, eine wichtige Anlage nicht mehr funktioniert oder die zuständige Person nicht erreichbar ist?

Nehmen Sie sich 15 Minuten Zeit und gehen Sie gedanklich durch Ihren Betrieb:

1. Was sind Ihre drei technisch kritischsten Punkte?

Zum Beispiel Melktechnik, Lüftung, Fütterung, Kühlung, Wasserversorgung oder eine zentrale Maschine.

2. Wen rufen Sie im Notfall an?

Notieren Sie für jeden dieser Bereiche einen Ansprechpartner und eine Vertretung.

3. Wo befinden sich die wichtigen Schalter, Absperrungen und Zugänge?

Weiß jeder von Ihnen, wo sich beispielsweise der Hauptstromschalter, Sicherungskasten oder der Wasserabsperrhahn befindet?

4. Was ist unsere Notlösung?

Gibt es ein Notstromaggregat? Ist es einsatzbereit? Wer weiß, wie es angeschlossen und betrieben wird? Gibt es für besonders wichtige Anlagen einen Plan B?

5. Was muss im Notfall zuerst funktionieren?

Legen Sie gemeinsam fest, welche Bereiche innerhalb der ersten Stunde Priorität haben.

6. Wo finden wir die nötigen Informationen?

Bedienungsanleitungen, Kontaktdaten, Wartungsverträge, Zugangsdaten oder Informationen zur Notstromversorgung sollten nicht nur einer Person bekannt sein.

Zum Schluss:

Tragen Sie die wichtigsten Informationen in Ihr GHV-Notfallhandbuch ein. So wird aus einzelnen Telefonnummern und Erinnerungen eine verlässliche Notfallübersicht, auf die Sie zurückgreifen können.

⏱ Dauer: etwa 15 Minuten